Luftverschmutzung wird als Gesundheitsgefahr deutlich unterschätzt. Das macht ein Wissenschaftlerteam um Jos Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie (Mainz) und Thomas Münzel, Professor an der Universitätsmedizin Mainz in einer heute (12.3.) veröffentlichten Studie deutlich. Darin weisen die Wissenschaftler nach, dass die Luftverschmutzung die durchschnittliche Lebenserwartung der Europäer um rund zwei Jahre verringert.

 

In Europa würden mit 133 Menschen pro 100.000 Einwohner jährlich an den Folgen verschmutzter Luft sterben. Das seien mehr als im globalen Durchschnitt (120 Menschen pro 100.000 Einwohner). In mindestens der Hälfte der Fälle seien Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache, fasst das Wissenschaftlerteam die Ergebnisse zusammen. Mit ihrer Studie aktualisieren die Mainzer Forscher jüngste Berechnungen des Global Burden of Disease, einer weltweiten Gesundheitsstudie sowie Ergebnisse eigener früherer Untersuchungen. Bisher sei man von einer globalen Sterblichkeitsrate durch Luftverschmutzung von rund 4,5 Millionen Menschen pro Jahr ausgegangen. Der neue Wert liege bei 8,8 Millionen Menschen pro Jahr.

 

Die Forscher betonen, dass kleinste Feinstaubteilchen die Hauptursache für Atemswegs- und Herzkreislauferkrankungen sind. Die Europäische Grenzwert für Feinstaub mit 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sei "viel zu hoch". Zumal dieser Wert auch weit über der Richtlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter liege. Die Wissenschaftler fordern, dass Luftverschmutzung als wichtiger gesundheitlicher Risikofaktor, besonders als Verursacher von Herzkreislauferkrankungen, anerkannt werde. (ik/idw)