Landflucht ist nach wie vor ein Thema. Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren zieht es in die Städte. Ältere Personen bleiben und wenn, dann wandern sie tendenziell in ländliche Räume ab. Wohnkosten spielen eine untergeordnete Rolle. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Analyse des Essener RWI - Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und der Ruhr Universität Bochum (RUB). 

 

Die Untersuchung zeige die große Anziehungskraft der Städte auf junge Menschen, erklärt RWI-Vizeopräsident Thomas K. Bauer, einer der Autoren der Studie. Sie würden unter anderem durch das höhere Lohnniveau gelockt, während die höheren Wohnkosten im Vergleich eine eher untergeordnete Rolle spielten. Ältere Menschen würden zwar tendenziell wieder aus den Städten Richtung ländliche Regionen ziehen, allerdings in deutlich geringerer Zahl, so Bauer weiter. Fazit: Die Binnenmigration verschärfe die demografischen Unterschiede zwischen Stadt und Land.

 

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Zwischen 2008 und 2014 sind insgesamt knapp 15,9 Millionen Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit aus einer Stadt oder einem Landkreis in eine andere Region umgezogen.
  • 43 Prozent der einheimischen Binnenmigranten sind zwischen 18 und 29 Jahre alt. Zum Vergleich: Diese Altersgruppe macht nur 14 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.
  • Von den insgesamt 6,9 Millionen Binnenmigranten zwischen 18 und 29 Jahren stammen 25 Prozent aus ländlichen Gebieten und 75 Prozent aus Städten. Nur 19 Prozent von ihnen ziehen in einen Landkreis um, während sich 81 Prozent für eine Stadt entscheiden. Dies führt zu einer Wanderungslücke für die ländlichen Gebiete von fast 460.000 Personen in dieser Altersgruppe.
  • Wohnkosten scheinen eine eher untergeordnete Rolle zu spielen: Regionen mit hohen Mietpreisen verzeichnen - unter ansonsten gleichen Bedingungen - eine etwas geringere Zuwanderung aller Altersgruppen. Eine verstärkte Abwanderung aus teuren Regionen findet nur in der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen statt. (ik)