Das Klimaschutzabkommen von Paris hat ambitionierte Ziele gesetzt. Nicht nur Kohle, auch Erdgas, dass mit gut 22 Prozent eine wichtige Rolle im Energiemix Deutschlands spielt, muss danach langfristig als Energieträger ersetzt werden. Das Fraunhofer ISI hat im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) untersucht, welche Auswirkungen die Umsetzung der Klimaschutzziele für die Gasinfrastruktur und die Gaswirtschaft in Deutschland hat. Die Studie "Roadmap Gas für die Energiewende - Nachhaltiger Klimabeitrag des Gassektors" ist kürzlich veröffentlicht worden.

 

Nach Darstellung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe zeichnet sich ein erheblicher Rückgang der Gasnachfrage insbesondere im Gebäudebereich ab. Dieser Rückgang könne örtlich so ausfallen, dass die Kosten zum Unterhalt des Gasnetzes so stark steigen, dass ein Weiterbetrieb nicht mehr wirtschaftlich ist. Weiterhin müsse berücksichtigt werden, dass die Umsetzung der Klimaziele den Ausbau von Wasserstoff oder E-Methan begünstige. "Das erfordert unabhängig von der Frage einer möglichen Stilllegung eine technische Anpassung der Gasinfrastruktur und Verteilnetze", folgert Jakob Wachsmuth, Projektleiter am Fraunhofer ISI.

 

Fernnetze weiterhin notwendig 

Die Szenarioauswertungen, wie sie in der Studie vorgenommen worden sind, würden bei einer ambitionierten Klimaschutzstrategie (Treibhausgasminderung um 95 Porzent gegenüber 1990) eine potenzielle Stilllegung von mindestens rund einem Drittel der Verteilnetze ergeben. Selbst bei einer Minderung von 80 Porzent könnte jedes fünfte Verteilnetz stillgelegt werden. Weit weniger stark seien Fernleitungsnetze betroffen, die auch in Zukunft in ähnlichem Umfang benötigt würde wie heute.

 

Eine Lösung sehen die Fraunhofer Forscher in einer teilweisen Stilllegung der Gasinfrastruktur, um den Ausbau anderer Technologien oder Energieträger voranzutreiben. Dabei ist es laut Studie ratsam, überschüssige Gasinfrastruktur nicht komplett zurückzubauen, sondern die Leitungen nur zu versiegeln, um sie später wieder öffnen zu können. So erhalte man die Option, die Leitungen in der Zukunft für den Transport beispielsweise von Wasserstoff wiederzuverwenden. In der Studie sind eine Reihe "politischer Leitplanken" für eine flexible Gestaltung der Gasinfrastruktur entwickelt worden. (idw/ik)