Nach den heute (27.3.) veröffentlichten Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) ist der Energieverbrauch in Deutschland 2018 deutlich gesunken. Mit einem Verbrauch von gut 442 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (t SKE)  lag der Verbrauch um 3,5 Prozent niedriger als im Vorjahr und erreicht damit im Langzeitvergleich das Niveau zu Beginn der 1970er Jahre. Da weniger Energie im Inland produziert wurde, musste importiert werden. 

 

Verantwortlich für diese Entwicklung sind, wie die AG Energiebilanzen in ihrem aktuell veröffentlichten Jahresbericht 2018 ausführt, die deutlich gestiegenen Energiepreise, die mildere Witterung sowie ein starker Anstieg der Energieproduktivität. Verbrauchssteigernde Faktoren, wie Wirtschaftsentwicklung und Bevölkerungszuwachs, seien dagegen in den Hintergrund getreten. Würde man die Witterungseinflüsse nicht berücksichtigen, wäre der Energieverbrauch nach Berechnungen der AG Energiebilanzen um 2,4 Prozent gesunken.

 

Verbrauchsentwicklung

Zu den Überraschungen der Verbrauchsentwicklung im vergangenen Jahr zählt die AG Energiebilanzen den "sprunghaften Anstieg" der gesamtwirtschaftlichen Energieproduktivität um gut fünf Prozent (temperaturbereinigt um plus vier Prozent). Diese Kenngröße errechnet sich aus dem Energieaufwand je Einheit Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Der langjährige Durchschnittswert liegt bei etwa zwei Prozent.

Entsprechend haben sich auch die CO2-Werte verändert. So sind die CO2-Emissionen in Deutschland 2018 um 4,8 Prozent oder 34 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.

 

Konventionelle Energieträger

Weitere Daten aus der Bilanz zeigen einen Rückgang des Mineralölverbrauchs um fünf Prozent (mit Ausnahme der Flugkraftstoffe). Besonders hoch war der Absatzrückgang beim Heizöl spürbar (minus 16 Prozent). Hier werden die hohen Preise im vergangenen Jahr verantwortlich gemacht und vermutet, dass die Verbraucher zunächst ihre Vorräte aufgebraucht hätten. Der Erdgasverbrauch ging um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Hier wird die warme Witterung als Grund zitiert, so dass weniger Erdgas für Wärmezwecke eingesetzt worden ist. Der Verbrauch an Steinkohle sank um gut elf Prozent und erreichte im Gesamtverbrauch damit das niedrigste Nieveau in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Bei der Braunkohle wird eine Verbrauchsminderung zum sechsten Mal in Folge verbucht.

Mit Blick auf den gesamten inländischen Energieverbrauch bleibt Mineralöl mit einem Anteil von über 34 Prozent der wichtigste Energieträger, gefolgt vom Erdgas (23,7 Prozent).

 

Erneuerbare Energien

Die erneuerbaren Energien profitierten nach Berechnungen der AG Energiebilanzen vom Leistungszubau und den guten Wetterverhältnissen, so dass sie ihren Anteil um gut ein Prozent ausbauen konnten. Die vielen Sonnenstunden sorgen andererseits bei der Wasserkraft für einen Einbruch um fast ein Fünftel. So haben die Erneuerbaren im Energiemix für das Jahr 2018 ihre Anteile ausweiten können und deckten insgesamt 14 Prozent des gesamten inländischen Energieverbrauchs.

 

Energiegewinnung in Deutschland macht Importe notwendig

Die inländische Energiegewinnung ist 2018 um knapp drei Prozent gesunken (auf 132,8 Millionen t SKE). Dafür ist vorrang die Steinkohlenförderung mit einem Minus von fast 30 Prozent verantwortlich, die Ende 2018 vollständig eingestellt wurde. Damit rücken die erneuerbaren Energiequellen mit einem Anteil von über 46 Prozent an die erste Stelle, direkt gefolgt von der Braunkohle (38,4 Prozent). Die anderen Energieträger erreichen Anteile im niedrigen einstelligen Bereich.

Rund 70 Prozent seines Energiebedarfs muss Deutschland laut AG Energiebilanzen durch Importe decken. Wichtigster Lieferant ist Russland. 2018 stammten über 36 Prozent der deutschen Rohölimporte aus Russland. Zusammen mit den anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion (GUS) beträgt dieser Anteil nahezu 53 Prozent. Der Import von Steinkohle aus Russland beträgt 40 Prozent. Durch den kräftigen Anstieg der Energiepreise erhöhte sich die Importrechnung für Kohle, Erdgas und Öl 2018 gegenüber dem Vorjahr um etwa ein Fünftel auf fas 68 Miliarden Euro. (ik)