Smart City ist leichter gesagt als umgesetzt, wie eine kürzlich veröffentlichte Umfrage des Innovators Club des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) in Kooperation mit dem TÜV Rheinland (Köln) ergeben hat. 

 

DStGB und TÜV fragte in den 500 größten Kommunen in Deutschland nach, um einen "Smart City Readiness Check" zu erstellen. Fazit: Der Stand der Umsetzung digitaler Lösungen in deutschen Städten und Gemeinden ist sehr unterschiedlich. Viele Kommunen nutzen die staatlichen Fördermöglichkeiten für den Ausbau der Digitalisierung nicht konsequent aus.

 

Ausbauquote lahmt

Wenn eine Kommune Fördergelder nicht abrufe, sei möglicherweise das Verfahren zu kompliziert, führt Gürkan Ünlü, Leiter der Geschäftsentwicklung beim TÜV Rheinland, als Begründung an. Bei der Umsetzung von Smart City Infrastrukturen setzten 80 Prozent der befragten Kommunen auf die Stadtwerke. Weniger Vertrauen werde großen internationalen Dienstleistern entgegengebracht, so Ünlü weiter. Allerdings verfügen nur die Hälfte der Kommunen nach eigenen Angaben über Hochleistungsnetze mit Versorgungsgeschwindigkeiten von 50 Mbit/s. Die bilden allerdings die Basis für einen flächendeckenden Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G. Wenn der Ausbau nicht intensiver vorangetrieben werde, "laufen die Städte und Kommunen Gefahr, digital abgehängt zu werden", warnt Ünlü.

 

Fehlende digitale Strukturen auch binnen 

Mit dem Thema eGovernance, also Online-Angebote für Bürger, die Behördengänge ersetzen könnten, tun sich nach Auswertung der Umfrage die Städte ebenfalls schwer. Für Start-ups, aber auch für kleine Gewerbebetriebe, sei die kommunale Verwaltung oft ein Erlebnis der analogen Art, erklärt Alexander Handschuh, Sprecher des DStGB und Leiter des Innovators Club. Ähnlich verhalte es sich mit der Kommunikation innerhalb der Behörden, die weiterhin auf Telefon und E-Mail basiere und weniger auf digitale Anwendungen setze. Handschuh bemängelte in diesem Zusammenhang das geringe Angebot an digitalen Weiterbildungsmaßnahmen. Im Bereich Mobilität, Digitalisierung der Verkehrsführung oder E-Ticketing im ÖPNV sowie im Bereich Energie (Straßenbeleuchtung) ist danach noch viel Luft nach oben.

 

Was zu tun bleibt

Für die Initiatoren der Umfrage ist nach der Auswertung offensichtlich geworden, dass bezüglich der Förderprogramme mehr Beratung notwendig ist. Darüber hinaus sollten Lösungen im Stil einer "One-size-fits-all" für Digitalisierungsprojekte angeboten werden, so dass gleich mehrere Kommunen profitieren könnten.

 

Hintergrund

Zum Smart City Readiness Check sind die 500 größten deutschen Kommunen eingeladen worden. Allerdings haben laut TÜV und DStGB nur 81 Kommunen auf alle Aspekte (45 Faktoren) der Befragung eine Antwort gegeben. Die Befragung fand zwischen Juli und September 2018 statt. Nach Angaben der Autoren wird der Check mit allen Ergebnissen voraussichtlich ab Mai 2019 zur Verfügung stehen. (ik)

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