Ohne weitere Anstrengungen wird Deutschland sein Klimaschutzziel für 2020 deutlich verfehlen. Nach einer aktuellen Einschätzung von Agora Energiewende wird der Ausstoß von Treibhausgasen lediglich um rund 30 statt wie von der Bundesregierung vorgegeben um 40 Prozent gegenüber 1990 zurückgehen.

Hier müsse die neue Bundesregierung "ganz schnell nachlegen", um wenigstens in die Nähe ihres vielfach bestätigten Ziels zu kommen, kommentiert Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, die heute veröffentlichten Daten.

Das Klimaschutzziel 2020 von einer 40prozentigen Treibhausgasminderung wurde 2007 von der Bundesregierung beschlossen und seither bekräftigt. Mit Stand Juli 2016 lagen die klimaschädlichen Emissionen um 28 Prozent unter dem Niveau von 1990. Laut Agora bedeute das bis 2020 eine Lücke von gut 150 Millionen Tonnen CO2. Die Bundesregierung gehe bisher davon aus, dass die Lücke durch die bereits beschlossenen Maßnahmen auf 70 Millionen Tonnen CO2 schrumpfen werde.

Die Berliner Agora stellt diese Rechnung in Frage. Laut deren Analyse wird die Lücke ohne weitere Maßnahmen bei etwa 120 Millionen Tonnen CO2 verharren. Als Gründe führt Agora sinkende Preise für CO2-Emissionsrechte und fossile Brennstoffe sowie eine wachsende Wirtschaft und Bevölkerung. Basis der Agora-Berechnungen ist die Prognose der Bundesregierung in Form ihres Projektionsberichts, in dem die Regierung davon ausgeht, einen Rückgang der Treibhausgase von rund 35 Prozent bis 2020 erreichen zu können. (ik)