Das Geschäftsmodell basiert darauf Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheime und -dienste zu kaufen, diese zu rekonstruieren und wieder zu verkaufen. Rund 130 Übernahmen gab es seit dem Jahr 2013 in dieser Form im Gesundheitssektor. Allerdings 60 Prozent allein in den letzten beiden Jahren hat jetzt das in Gelsenkirchen ansässige Institut Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule) in der ersten wissenschaftlichen Studie zu diesem Thema festgestellt.

 

Das IAT-Forschungsteam untersuchte Aktivitäten von Private Equity-Gesellschaften im Bereich der Patientenversorgung. Also von privaten Geldgebern, die ihr Kapital außerhalb der Börse mit Gewinnabsicht in Unternehmen investieren. Den Gesundheitssektor haben diese Kapitalbeteiligungsgesellschaften nach Auskunft der Forscher seit 2017 "als wichtigste Zielbranche" für sich entdeckt.

 

Arztpraxen in Konzernstrukturen

Laut IAT lassen sich zwei Trends identifizieren. Auf Pflegeheime und Pflegedienste entfallen bereits relevante Marktanteile auf Private Equity-geführte Unternehmen. Bei der Übernahme von Facharztpraxen liegen die Disziplinen Zahnmedizin, Radiologie und Augenheilkunde im Trend. Rund 30 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) seien bisher übernommen worden. Die Autoren der Studie führen als Beispiel den Aufbau von inszwischen sieben "Zahnarzt-Ketten" auf, von denen drei 2018 ihren Expansionsprozess in Deutschland begonnen haben. Häufig werde eine "Buy-and-Build"-Strategie verfolgt, bei der fachgleiche Einrichtungen in eine neue Unternehmenskette integriert werden, um Kostenvorteile zu erzielen. So werde bei den Zahnmedizinern eine Konzernstruktur aufgebaut, in der von der Zahntechnik, über Labore bis zur Patientenversorgung die komplette Wertschöpfungskette abgedeckt wird. Außerdem werden weitere betriebswirtschaftlichen Funktionen zentralisiert, beispielsweise das Rechnungswesen oder Marketing. Diese Zahnmedizin-Ketten seien überwiegend europaweit aufgestellt, heißt es weiter in der Studie.

 

Internationalisierung der Eigentümerstrukturen

Die Veränderungen werden nicht nur in Form der Behandlung sichtbar, sondern auch in der Eigentümerstruktur. Während die ursprünglichen Eigentümer der Praxen, Pflegeheime oder Pflegedienste ganz überwiegend ihren rechtlichen Sitz in Deutschland hatten, treffe dies nur auf etwa ein Drittel der Käufer zu, stellen die IAT-Forscher fest. Denn die Übernahmen seien überwiegend von Fondsgesellschaften aus Europa und den USA getätigt worden. So hätten zwei Drittel der beteiligten Fonds ihren rechtlichen Sitz in einem Offshore-Finanzzentrum, insbesondere auf den Cayman Islands oder auf Guernsey. Die im deutschen Gesundheitssektor erzielten Gewinne fließen deshalb an diese Standorte. Gründe für die gegenwärtigen Übernahmeaktivitäten sieht das IAT vor allem in der veränderten Regulierung des Gesundheitsmarktes sowie in dem starken Kapitalangebot der Private Equity-Gesellschaften. (ik)