5,5 Milliarden Euro stellt die Bundesregierung über das "Gute-Kita-Gesetz" bis 2022 für Verbesserungen in der Kindertagesbetreuung bereit. Wie viel Geld bezahlen Eltern an ihrem Wohnort für die Kinderbetreuung? Die Spannweite ist groß. Das zeigt die aktuell veröffentlichte Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Erstmalig wertete das IW die Gebührenordnungen der 26 größten Städte sowie aller kleineren Landeshauptstädte aus.

 

Die Kommunen entscheiden, wie hoch die Kitabeiträge vor Ort ausfallen. Außerdem spielen die unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben auf Länderebene eine Rolle, beispielsweise bezüglicher der Organisation und Qualität. Berlin hat als erstes Bundesland die Kitagebühren komplett abgeschafft. Anderswo sind für die Höhe der Gebühren das Alter des Kindes, Betreuungszeit und Jahreseinkommen der Eltern ausschlaggebend. "Bundesweit gleichen die Elternbeiträge also einem Flickenteppich", lautet das Fazit von Wido Geis-Thöne, beim IW verantwortlich für die Vergleichsstudie.

Als Beispiel führt Geis-Thöne an: Ein Paar, das in Köln 50.000 Euro brutto verdient und ein über einjähriges Kind 35 Stunden in der Woche betreuen lässt, zahlt dafür durchschnittlich 298 Euro im Monat. Im benachbarten Düsseldorf wären es 125 Euro, in Berlin kostenlos. Auch die Staffelung nach Einkommen fällt je nach Kommune in ein und demselben Bundesland unterschiedlich aus: Duisburg verlangt den maximalen Elternbeitrag ab einem Bruttoeinkommen von 75.000 Euro, Münster dagegen erst ab 150.000 Euro.

"Um tatsächlich die Gebühren in Deutschland zu vereinheitlichen, müssten sie konsequenterweise überall abgeschafft werden", sagt Geis-Thöne. Nur so würde niemand benachteiligt werden. Das sei aber nur über hohe Bundes- und Landeszuschüsse finanziell machbar.

 

Das "Gute-Kita-Gesetz"

Das neue "Gute-Kita-Gesetz" ist zum 1. Januar 2019 in Kraft getreten und sieht laut Bundesregierung vor, "die Qualität der frühen Bildung dauerhaft zu verbessern und bestehende Unterschiede zwischen den Bundesländern auszugleichen". 5,5 Milliarden Euro stellt der Bund den Ländern bis 2022 bereit. Jedes Land kann auswählen, welche Bereiche es innerhalb von zehn vorgegebenen Handlungsfeldern fördern will. Der Bund wird deshalb mit allen Landesregierungen "individuelle Vereinbarungen" abschließen. Gleichzeitig, allerdings nachrangig zur Qualitätsförderung, sieht das Gesetz eine Entlastung der Eltern bei den Gebühren vor.

 

Schleswig-Holstein hat, wie die meisten anderen Bundesländer, angekündigt, die Qualität stärken zu wollen und die Beitragsfreiheit als langfristiges Ziel zu betrachten. Mecklenburg-Vorpommern will dagegen die Elternbeiträge für die Ganztagsbetreuung bis zum Jahresanfang 2020 vollkommen abschaffen. (ik)