Der in Essen ansässige Energiekonzern Eon geht auf Übernahmekurs der RWE-Tochter Innogy. Beide Konzerne haben sich nach einer heutigen (11.3.) Adhoc-Meldung grundlegend auf eine Übernahme der 76,8 Prozent-Beteiligung von RWE an Innogy geeinigt. Der Abschluss bedarf noch einer entsprechenden Zustimmung der Gremien beider Konzerne.

Laut Mitteilung würde gemäß der Einigung Eon im Tausch gegen die knapp 77 prozentige Beteiligung an Innogy zunächst RWE eine Beteiligung an Eon in Höhe von durchgerechnet 16,67 Prozent gewähren. Die Aktien würden im Rahmen einer 20prozentigen Sachkapitalerhöhung aus bestehendem genehmigten Kapital ausgegeben. Darüber hinaus würde Eon an RWE einen weitgehenden Teil des erneuerbaren Energiegeschäfts und die von der Eon-Tochter Preussen Elektra gehaltenen Minderheitsbeteiligungen an den von RWE betriebenen Kraftwerken Emsland und Grundremmigen übertragen.

Des Weiteren würde RWE das gesamte erneuerbare Energiegeschäft von Innogy sowie deren Gasspeichergeschäft und den Anteil am österreichischen Energieversorger Kelag erhalten. Die Übertragung der Geschäftsaktivitäten und Beteiligungen würde mit ökonomischer Wirkung zum 1. Januar 2018 erfolgen. Die Transaktion sehe ferner eine Barzahlung von RWE an Eon in Höhe von 1,5 Milliarden Euro vor.

40 Euro pro Anteilsschein für die Aktieninhaber

Für die Aktionäre von Innogy will Eon ein freiwilliges Übernahmeangebot in bar unterbreiten. Je Aktie sind 40 Euro veranschlagt. Der Wert setze sich aus einem Angebotspreis von 36,76 Euro je Aktie sowie den Zahlungen aus den unterstellten Innogy-Dividenden von insgesamt 3,24 Euro je Anteilsschein für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 zusammen. RWE würde sich an dem Angebot nicht beteiligen.

Volle Integration

Nach erfolgreicher Durchführung der Transaktion ist eine volle Integration der Innogy in den Eon Konzern vorgesehen. Durch die Transaktion soll Eon "zu einem fokussierten, kundenorientierten Energieunternehmen", das sich auf Energienetze sowie Kundenlösungen konzentriere. Die erneuerbaren Geschäfte beider Konzerne wären dann unter dem Dach von RWE vereint. Die Durchführung der gesamten Transaktion ist in mehreren Schritten geplant und steht noch unter dem Vorbehalt üblicher kartellrechtlicher Freigaben.

Innogy vor Jahresbilanz-Präsentation

Der Innogy-Konzern wird am Montag (12.3.) seine Jahresbilanz 2017 vorstellen. RWE am darauffolgenden Dienstag. Die kommunalen Aktionäre des Energiekonzerns RWE hatten sich kürzlich erst gegen einen kompletten Verkauf der Ökostromtocher Innogy ausgesprochen. Die Kommunen, darunter die Ruhrgebietsstädte Dortmund und Essen, sind der größte Einzelaktionär von RWE. Sie halten zusammen 23 Prozent der Anteile. "ich sehe den Deal skeptisch", sagte Guntram Pehlke, Chef der Dortmunder Stadtwerke DSW21 heute (11.3.) gegenüber dem Handelsblatt.

In den vergangenen Monaten war in Medienberichten vermehrt über Verkaufsabsichten berichtet worden. Unter anderem gab es Spekulationen über eine Allianz des Energiekonzerns RWE mit dem französischen Versorger Engie. Interesse wurde auch der italienischen Enel und Iberdrola aus Spanien nachgesagt. (ik)