Die Diskriminierung ethnischer Minderheiten auf dem Wohnungsmarkt nimmt ab. Dennoch bleibt der Name bei der Wohnungssuche ein Kriterium. Zu diesem Schluss kommt eine Meta-Analyse der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), die in 71 Feldexperimenten über rund 40 Jahre hinweg (1973 bis 2015) den Mietwohnungsmarkt westlicher Länder auf Diskriminierung überprüft hat und deren Ergebnisse nunmehr zusammengefasst hat.

Das Ausmaß der Diskriminierung werde in der Literatur überschätzt, sagt die LMU-Soziologin Prof. Katrin Auspurg, Erstautorin der Meta-Studie, die sie zusammen mit ihrem Mitarbeier Andreas Schneck und Prof.Thomas Hinz von der Uni Konstanz im Fachjournal of Ethnic and Migration Studies veröffentlicht hat. Studien, die eine starke Diskriminierung belegten, würden eher publiziert, nennt die Wissenschaftlerin als Grund für diese Überschätzung. Das LMU Forscherteam hat nun Belege geliefert, dass in Deutschland und anderen Ländern Westeuropas sowie in den USA die Diskriminierung konstant abnimmt.

Rückgang seit 1990

Das Ergebnis zeige zeit- und länderübergreifende Tendenzen, so dass Vergleiche zwischen den untersuchten Regionen erlaubt seien. Die höchste Diskrminierungsrate wurde danach für Deutschland, die niedrigste für Kanada festgestellt. Länderübergreifend würden Personen mit arabischem und muslimischem Hintergrund die stärkste Diskriminierung erfahren, erklären die Wissenschaftler. Einen besonders deutlichen Rückgang an Diskriminierung sei für den europäischen Raum seit 1990 erkennbar, also vor Erlass des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes ("Antidiskriminierungsgesetz") 2006 in Deutschland.

Typischer Nachname

Die Wissenschaftler konnten auch keine "Hochburgen" feststellen, sondern sprechen von einer bundesweit relativ homogenen Verteilung. Die Statistik der LMU-Soziologin zeigt, dass Wohnungssuchende deren Nachnamen auf eine ethnische Minderheit deutet rund sechs Bewerbungen schreiben müssten, um zu zwei Wohnungsbesichtigungen eingeladen zu werden. Das ist eine mehr als bei Bewerbern mit einem für die Vermieterseite "typisch" klingenden Nachnamen. "Der Vermieter schließt aufgrund eines fremdklingenden Namens offenbar daraus, dass ein Bewerber oder eine Bewerberin weniger finanzstark ist", erklärt Katrin Auspurg. Sobald in den Feldexperimenten zusätzliche Angaben zum sozialen Status und dem Einkommen gemacht worden seien, habe die Diskriminierung "um bis zu einem Drittel" abgenommen.

In künftigen Untersuchen wollen Auspurg und ihr Team unter anderem näher untersuchen, welche Rolle soziale Netzwerke bei der erfolgreichen Wohnungssuche spielen. (ik)